Rugby-WM in der Süddeutschen ZeitungDie Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung beschäftigte sich
in ihrer Ausgabe vom 31. August 2007 mit der VI.
Rugby-Weltmeisterschaft 2007 in Frankreich, Schottland und Wales. Hier
der SZ-Artikel im Wortlaut:
Rugby-WM in Frankreich = Heißer als die Formel 1
Noch hat die Rugby-WM nicht begonnen - und doch steht schon fest, dass
sie ein riesen Geschäft wird: Längst hat die Sportart der Formel 1 und
der Tour de France den Rang abgelaufen.
Schätzungsweise 4,5 Milliarden Fans weltweit werden die WM vom 7.
September bis 20. Oktober vor dem Fernseher verfolgen. Auch die Stadien
werden voll sein. Zwei Millionen Tickets hatten die Veranstalter schon
zwei Wochen vor dem Start verkauft. Auf dem Schwarzmarkt werden die
Karten für 2000 Euro gehandelt. Wachstumsraten wie beim Rugby kann im
Moment kein anderer Massensport aufweisen.
Gerade einmal vor 20 Jahren fand die erste WM statt; fortan schoss der
Umsatz steil nach oben. Allein seit dem letzten Turnier 2003
verdoppelten sich die Einnahmen aus Fernsehrechten und Ticketverkäufen.
Am meisten freut das den internationalen Rugby-Verband IRB in Dublin.
Er
verdient an der WM so gut, weil er sich noch "einnehmender" zeigt als
seine Pendants im Fußball oder bei den Olympischen Spielen, auch wenn
das kaum möglich erscheint. Der IRB kassiert sämtliche Einnahmen aus
dem Verkauf von Fernseh- und Marketingrechten, die Hälfte aus dem
Ticketverkauf und gibt keinen Cent für die Veranstaltung aus. Die muss
das Austragungsland selber finanzieren.
Außerdem nimmt es der
Verband nicht so genau mit althergebrachten Regeln wie die Fifa oder
das IOC. Auf den Trikots der Nationalmannschaften und auf dem ovalen
Ball dürfen zum Beispiel Sponsoren werben.
Zudem dienen die
Leibchen im Vergleich zum Fußball als Versuchsfeld für gewagtes Design
und neuartige Mikrofaserstoffe, die auf wundersame Weise zum Beispiel
die Muskeln der Spieler aktivieren sollen - womit auch die Hersteller
die Werbetrommel rühren. Wenig verwunderlich, liefern sich hier Adidas,
Nike und Puma den erbittertsten Kampf.
Als Sponsor ist erstmals
Coca-Cola mit von der Partie und stellt das offizielle WM-Getränk;
McDonald's liefert das Essen dazu. Der französische Drei-Sterne-Koch
Guy Savoy zählt zwar zu den größten Rugby-Fans Frankreichs. Er kocht
aber nur für einen auserwählten Kreis von Fans, darunter etliche
französische Firmenchefs. Anlässlich der WM lud Savoy zum Beispiel zu
einem Diner, an dem 80 Patrons teilnahmen.
Christian Streiff von Peugeot-Citroën und Claude Bébéar von der
Axa-Versicherung gehörten beispielsweise dazu. Beide spielten bereits
in der Uni-Mannschaft Rugby. So groß ist die Begeisterung für Rugby im
Land der Gourmets, dass ein kleinerer Kreis von Unternehmern sich
einmal im Monat von Savoy kulinarisch verwöhnen lässt. Am Tisch sitzt
dann in der Regel auch der Trainer der französischen
Rugby-Nationalmannschaft, Bernard Laporte. Er wird, wenn die WM vorbei
ist, auf Wunsch von Staatspräsident Nicolas Sarkozy Sportminister.
Angesichts
dieses Umfelds überrascht es nicht, dass sich französische Unternehmen
ähnlich wie die Spieler auf den Ball stürzen. Dank intensiven Lobbyings
stammen fünf der sechs Hauptsponsoren der WM aus Frankreich.
Allein
die Bank Société Générale investiert 20 Millionen Euro. Ähnliche Summen
lassen sich Peugeot, die SNCF und EDF das Spektakel kosten. Nutznießer
der Rugby-Euphorie sind nicht zuletzt auch die Spieler, die bis 1995
noch Amateure waren. Jetzt verdienen die besten Spieler in Frankreich
mehr als 500.000 Euro im Jahr.
Aus der Süddeutschen Zeitung vom 31. 8. 2007.
(cp)
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